Geschichte der KAB Meitingen


1929/30 Gründung des Arbeitervereins durch Arbeitersekretär Hans Adlhoch.
Präses: Expositus Ernst Ritter
Vorstände: Ludwig Biederwolf, Michael Riedl
Stellvertreter: Johann Lotter
Kassenwart: Karl Liepert
1. Mai 1955 Neugründung als Werkvolk durch Karl Liepert und Pfarrer Johann Radinger
(Präses bis 1981)
bis 1973 Vorstand: Karl Liepert
Kassierer: Michael Dreher
von 1973 bis 1979 1. Vorstand: Helmut Tanzer
2. Vorstand: Karl Liepert
von 1973 bis 1982 1. Vorsitzende: Frieda Schuster
von 1973 bis 1979 2. Vorsitzende: Elisabeth Deffner
von 1973 bis 2001 Kassierer: Anton Süssner
von 1973 bis 1982 Schriftführer: Hubert Saule
von 1979 bis 1995 Ehrenvorstand: Karl Liepert
von 1979 bis 1982 1. Vorstand: Helmut Tanzer
2. Vorstand: Franz Schaffer
2. Vorsitzende: Josefine Stuhlmüller
Okt.1981 bis 1987 Präses: Pfarrer Josef Hosp
von 1982 bis 2005 Schriftführer: Wolfgang Liepert
ab 1982 1. Vorstand: Franz Schaffer
2. Vorstand: Helmut Tanzer
von 1982 bis 1987 1. Vorsitzende: Josefine Stuhlmüller
2. Vorsitzende: Frieda Schuster
von 1987 bis 1991 1. Vorsitzende: Josefine Stuhlmüller
2. Vorsitzende: Anna Hauser
ab 1991 1. Vorsitzende: Anna Hauser
2. Vorsitzende: nicht besetzt
ab Okt. 1987 Präses: Pfarrer Wilhem Zettler
ab 2005 Schriftführer: Dieter Grimm
ab Okt. 2008 Präses: Pfarrer Johnson Puthuva
ab Mai 2013 Das neue Leitungsteam: Anna Hauser, Franz Schaffer, Gerlinde Schwegler, Willi Golling, Roman Margazyn und Gottfried Kröner.


Cover der Festschrift

Das Vereinsleben des „Katholischen Arbeiterverein“ in Meitingen
aufgeschrieben im März 1995 von unserem Ehrenvorsitzenden Herrn Karl Liepert (+1998)


Anfang dieses Jahrhunderts, kurz nach dem ersten Weltkrieg, wurde aus dem Bauern- und Handwerkerdorf Meitingen durch die Ansiedlung der Siemens Plania Werke ein Industriedorf. Dadurch wuchs die Bevölkerung. Bürgermeister Johann Koch und seine Verwaltung bemühten sich beim Bischöflichen Ordinariat in Augsburg um einen Seelsorger. Am 16. August 1927 wurde dieser Wunsch erfüllt. Expositus Ernst Ritter war der erste Priester, der dieses Amt in dem kleinen Meitinger Kirchlein antrat. Er bemühte sich, das öffentliche Leben mitzugestalten und war der Motor zur Bildung des „Katholischen Arbeitervereins“ in Meitingen.
(Zeitungsbericht vom 25. März 1930 als PDF zum Download)

Die Gründungsversammlung fand in der Gaststätte „Neue Post“ durch Arbeitersekretär Hans Adlhoch und Expositus Ritter statt. Doch schon die erste Versammlung, die ich erlebte, war ganz feierlich gestaltet. Neben Expositus Ritter war auch der Lehrer der Volksschule Meitingen vertreten. Zu Beginn der Versammlung gab dessen Tochter sowie Frl. Rosa Bernhart (Frau Stumpf) und Anni Biederwolf (Frau Egger) ein paar schöne Lieder zum Besten. Die ersten Vorstände des Vereins waren Ludwig Biederwolf und Michael Riedl. Stellvertreter war Johann Lotter. Riedl und Lotter waren Schaltwärter bei Siemens. Mir wurde in einer Versammlung die Kassenführung und die Zustellung des Vereinsorgans ‚Kettelerwacht‘ übertragen. Monatlich stellte ich den Mitgliedern auch in Herbertshofen, Erlingen und Markt die Zeitung zu. In Herbertshofen waren es die Eisenbahner Sommerreiser und Hietmann, in Erlingen der Eisenbahner Ludwig, in Markt waren es die Siemens- Mitarbeiter Spitzl Georg und Küchelbacher. In Meitingen waren es Riedl Michael, Lotter Johann, die Eisenbahner Zahn und Biederwolf, meine Lechwerkskollegen Deiniger Ludwig, Liepert Josef und Dreher Michael. Xaver Rieger, war Siemensarbeiter. Pretzl Anton und Bolzmacher Markus waren freiberufliche Mitglieder des Vereins, sowie mehrere Geschäftsleute waren fördernde Mitglieder.

Die Versammlung fand immer Sonntagsnachmittag statt. Expositus Ritter war meistens anwesend und hatte immer ein Thema zur Ansprache bereit. Mit einem Lied wurden die Versammlungen eröffnet. Auch kleine Ausflüge wurden Sonntagnachmittag gemacht, z.B. am Ostersonntag einen Emmaus-Spaziergang. Präses Ritter hatte uns auch eine Vereinsfahne beschafft. An Fronleichnam konnten wir uns dann in der Öffentlichkeit zeigen. Fahnenträger war Josef Liepert (Vater von Textil Liepert). Ein Begleiter war meistens Michael Dreher.

Nun einige Themen zu den Versammlungen: Arbeitersekretär Adlhoch sprach über die Krankenkassen und über Unfallversicherungen. Hochwürdiger Pfarrer Gehring, Herbertshofen, über den Weber-Aufstand in Schlesien. Ein Mitarbeiter der Augsburger Postzeitung schilderte kurz vor der Machtübernahme Hitlers die turbulente Lage in der Politik. In der Folgezeit nach 1933 konnte die Vereinstätigkeit nur ein paar Jahre erhalten bleiben. Nach 1933 setzte die Gleichschaltung der öffentlichen Vereine ein. Die Vorstände wurden nicht mehr gewählt, sondern vom Ortsgruppenleiter der NSDAP bestimmt und eingesetzt. Einige unserer Mitglieder sympatisierten mit den Braunen. Es kam zum Verbot der Doppelmitgliedschaft, Deutsche Arbeitsfront kontra kath. Arbeiterverein. Diözesanpräses Leopold Schwarz versuchte in größeren Versammlungen noch zu retten, was zu retten war. Er war Offizier im ersten Weltkrieg, in der verlustreichen Schlacht um Verdun und drückte sich in einem Artikel der ‚Kettelerwacht‘ so aus: „Trommelfeuer liegt auf unseren Linien, wir brauchen Munition“. Es kam noch dicker. Das Leohaus in München, die Zentrale Süddeutschlands, forderte das Vereinsvermögen ein. Es kam damit der NSDAP zuvor, die es 14 Tage später ebenfalls von den Vereinen einforderte. Aus unserem Verein traf sich eine kleine Gruppe im Pfarrhaus zu Gesprächen. Wir besuchten Hans Adlhoch im Peutinger-Haus in Augsburg mehrmals und nahmen an Versammlungen von Diözesanpräses Leopold Schwarz in der Karmelittengasse und in Donauwörth teil.

Zur Grundhaltung von Präses Expositus Ritter
Ritter war Teilnehmer des ersten Weltkrieges und war auf hohe Militärs nicht gut zu sprechen. Als Seelsorger war er beliebt. Er besuchte die Kranken, mit der Jugend machte er sonntagnachmittags kleine Ausflüge. Beim Kirchenbau unterhielt er sich oft mit den Handwerkern. Die St.-Wolfgangs-Statue in unserer Kirche hat er beschafft. Sie ist mir eine Erinnerung an ihn. Zu Beginn des Dritten Reiches wurde viel gefeiert. Parteiaufmärsche wurden veranstaltet. Die Bürger wurden zum Beflaggen ihrer Häuser aufgefordert. Hier machte Expositus Ritter nicht mit. Der Kirchturm ist kein Anschlagsbrett für Parteireklame, sagte er. Auch bei einem Fackelzug der SA an Hitlers Geburtstag wehte keine Fahne am Kirchturm. Das war auch ein Grund für die mehrwöchige Haftstrafe, zu der er dann verurteilt wurde. Nach der Strafe beklagte er sich im engen Freundeskreis, dass er vom Ordinariat keine Unterstützung für sein Verhalten erhielt. Im Priester-Altersheim in Neuburg beschloss er sein Leben.

Aufgezeichnet im März 1995 von Karl Liepert
Ehrenpräses BGR Johann Radinger
Johann Radinger kam im Herbst 1938 als Expositus nach Meitingen. Mit viel Umsicht führte er die Gemeinde durch die Kriegs- und Nachkriegswirren. Seine Kontakte zu den Männern hielt er in den Kriegsjahren durch Schafkopfabende im Pfarrhaus.

Im Jahre 1955 gründete er mit Karl Liepert das „Katholische Werkvolk“ als Nachfolgeorganisation des „Katholischen Arbeitervereins“, dessen Präses er bis 1981 war.

Bei der Adventfeier 1981 ernannte KAB Vorsitzender Helmut Tanzer nach einem Vorstandsbeschluss BGR Johann Radinger zum Ehrenpräses der KAB. Radinger erwähnte in seinen Dankesworten, dass Es während des Dritten Reiches, aber auch danach schwer gewesen sei, eine aktive KAB-Gruppe zu bilden. Er bescheinigte den Männern und Frauen aber auch, dass sie stets treu zum Pfarrer gestanden seien, so der Chronist. Radinger verstarb am 31. Dezember 1988. Seine ruhestätte befindet sich auf dem Meitinger Friedhof.